Zusammenfassung

Ermutigt durch ihren überwältigenden Erfolg auf Mikros erforschten die Mechari weitere Welten auf der Suche nach anderen möglichen Verbündeten, die eine Investition ihrer Zeit wert waren. Die primitiven aber intelligenten Chua von Bezgelor, mit ihrem bemerkenswerten mechanischen Geschick und ihrem vollständigen Fehlen von Moral, machten einen vielversprechenden Eindruck. Das Dominion stattete sie mit einfachen Technologien aus, um ihrer Entwicklung ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Als es hundert Jahre später zurückkehrte, traute es jedoch seinen Augen nicht ...

538 n.E. Die Entwicklung der Chua

Zusammenfassung Liste
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Teil 1 Industrietitanen

Als ihr Fluggerät die ohnehin zerrissene Wolkendecke durchstieß, überkam Axis Pheydra, die über Jahrhunderte Befehle von Göttern ausgeführt hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, zum ersten Mal so etwas wie Abscheu.

Ihr erster Verdacht war ein fehlerhafter Wahrnehmungssensor. Das hier konnte nicht dieselbe Welt sein. Nur ein gewaltiger Asteroid oder Komet konnte eine derartige Dunstglocke erzeugen, und außerdem hätte sie diese bei ihrem ersten Besuch bemerkt und beseitigt.

Aber ihre Sonden bestätigten, was ihre Sinnesorgane sich zu glauben weigerten. Das hier war tatsächlich Bezgelor. Es schien unvorstellbar, dass man ein komplettes Planetenökosystem in lediglich hundert Jahren derart herunterwirtschaften konnte. Oder dass lebende Organismen in derart giftgeschwängerter Atmosphäre länger als sechzig Sekunden überlebten.

Die üppigen Wälder, die mehr als die Hälfte der Oberfläche des riesigen Planeten bedeckt hatten, waren komplett verschwunden. Genau wie die Ozeane, Dschungel, Eiskappen und die Ozonschicht. Die Berge waren durch Untertagebau ausgehöhlt und danach zubetoniert worden. Die grünen Haine hatten Fabriken und Raffinerien Platz gemacht, wohin man blickte, und deren Giftgase hatten den Himmel ockerbraun eingefärbt, wie ein Krebsgeschwür. Der ständige Maschinenlärm klang, als würde der Planet selbst darum betteln, man möge ihn vergessen.

Ihre Mission hier war augenscheinlich ein Erfolg, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn man nur ihr Talent zur Industrialisierung betrachtete, würden die Chua eine vielversprechende Bereicherung des Dominion sein. Aber waren diese Kreaturen nicht vielleicht so eigensinnig, dass nicht einmal die Eldan sie unter Kontrolle behalten konnten? Seit ihrem letzten Besuch schien nur ein Moment vergangen zu sein und damals hatten alle das Ganze lediglich für einen riskanten Versuch ohne große Erfolgsaussichten gehalten.

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Teil 2 Eine vielversprechende Teufelei

Ermutigt durch den durchschlagenden Erfolg ihrer Mission auf Mikros, setzten die Mechari ihre Erkundungen mit neuem Eifer fort und untersuchten zahlreiche Welten, die statistisch optimale Voraussetzungen für das Entstehen potenzieller starker Verbündeter boten.

Pheydra selbst hielt sich zufällig in einem angrenzenden System auf, als Sonden sie über die primitiven, aber intelligenten Chua von Bezgelor informierten. Ihre insgeheim durchgeführten Studien bestätigten daraufhin, dass die etwas seltsam aussehenden Kreaturen neben einer hemmungslosen Hinterhältigkeit auch ein enormes Talent für Maschinenbau besaßen. Sie kam zu dem Schluss, dass eine Spezies ohne Moralgrenzen offensichtliche strategische Möglichkeiten bot (und war zudem fasziniert von ihrem einfallsreichen und bizarren Fortpflanzungszyklus), meldete ihre Befunde und kündigte an, Kontakt aufnehmen zu wollen.

Mit Pauken und Trompeten enthüllte sie dem mächtigsten Stamm ihre Anwesenheit, bat um eine Audienz bei dem Chua, den sie wegen seiner Knochenkrone für den amtierenden Häuptling hielt, und übergab ihm einfache Beispiele der Dominion-Technologie als Geschenk. Nichts mit Fusionsantrieb natürlich, lediglich Gegenstände, die ihnen die Grundlagen der Physik vermitteln sollten – und falls sie diese Lektionen überlebten, konnten sie damit langsam, aber sicher die Metallurgie entdecken.

Der Häuptling zeigte sich tief bewegt und revanchierte sich bei seinen neuen Gönnern mit einem hübsch verpackten Paket voller Farnwedel, wobei er wiederholt darauf hinwies, dass sie den vollständigen Inhalt erst zurück an Bord ihres Schiffes in Augenschein nehmen sollten.

Daher begab es sich auch erst nach dem Start, dass der Bewohner des Päckchens, ein Teerkäfer von Bezgelor, der im Prinzip ein einziger Schwellkörper war, sofort explodierte, sobald er Licht ausgesetzt wurde – ein uralter Verteidigungsmechanismus. Alle anwesenden Mechari wurden mit einem zersetzenden schwarzen Schleim überzogen, und ausgiebige Säurebäder über Monate waren erforderlich, bis er sich wieder ablöste.

Pheydra konnte ihren erzürnten Gesandten gerade noch davon abhalten, die gesamte Population einzudampfen, und befahl zögernd die Abreise. Die Reise nach Bezgelor war umsonst gewesen. Überall warteten bessere Kandidaten. Die nicht ganz so ... wartungsintensiv waren.

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Teil 3 Explosive Ergebnisse

Es schien, dachte Pheydra während der Besichtigung der Raffinerie, dass ihr erster Besuch bei den Chua so eine Art psychotische Turbobeschleunigung ausgelöst hatte. Als der Botschafter mit dem merkwürdigen Lächeln ihr zeigte, wie sie eine Waffenfabrik entwickelt hatten, die so effektiv war, dass sie das Protein von Häftlingen binnen Sekunden in Petroleum umwandeln konnte, fragte sich Pheydra, ob sie gerade Zeugin der schrecklichsten Abscheulichkeit ihres Lebens wurde – oder der größten Errungenschaft ihrer fast ebenso langen Karriere.

Sie verstand sehr gut, warum die Chua plötzlich so erpicht darauf waren, dem Dominion beizutreten. Die Ressourcen ihres Planeten waren erschöpft. Sie benötigten Dinge von der Natur, die diese nicht mehr liefern konnte – nicht zuletzt, weil es eigentlich gar keine Natur mehr gab. Einige von Pheydras Gesandten waren zwar immer noch dafür, das ganze Volk in die Luft zu sprengen, aber die Waffenprototypen, die man ihr gezeigt hatte, machten dafür einen viel zu effektiven Eindruck.

Sie wandte sich dem Botschafter zu, um ihm diesen Entschluss zu übermitteln, und sah, dass er ihr eine kleine Schachtel entgegenhielt. Dies sei ein Geschenk, so der Dolmetscher, das ihre ruhmreiche Allianz für alle Zeiten zementieren solle.

Vorsichtig öffnete sie die Schachtel. Ihre Augen verengten sich. Mit leuchtenden Augen versicherte der Chua sein Bedauern über das Verhalten seines geistig fehlgeleiteten Ahnen, der in seiner Verwirrung den unglücklichen Vorfall mit dem Teerkäfer in die Wege geleitet hatte. Er versicherte, dass dieses Päckchen nichts dergleichen enthielte. Ein kurzer Puls-Scan bestätigte ihr, dass er die Wahrheit sagte. Sie nahm die Schachtel entgegen und erklärte, auch sie wolle dieses Geschenk als Fundament der Beziehung zwischen Mechari und Chua für alle Zeit betrachten.

Dann kehrte sie zurück auf ihr Schiff. Sie überließ die Schachtel ihrem Adjutanten, zog sich in ihre Kabine zurück und dachte über das nächste Ziel ihrer Reise nach. Kurz bevor die Türen sich schlossen, hörte sie die Explosion.

Und entdeckte zum ersten Mal in zweitausend Jahren vernunftbegabten Daseins, dass ihre Kieferscharniere vor Verärgerung knirschen konnten.