Zusammenfassung

Weil sie sich weigerten vor dem Dominion in die Knie zu gehen, fanden sich die Granok von Gnox urplötzlich mitten in einem Krieg wieder. Aufgrund seiner überwältigenden militärischen und technologischen Überlegenheit rechnete das Dominion fest mit einem raschen und endgültigen Sieg. Doch stattdessen setzten die Granok unter ihrem Anführer Durek Steinbrecher ihre eigenen Waffen ein und trieben das angeschlagene Reich zurück nach Cassus. Allerdings währte der Sieg nur kurz und bald wurde Durek vor die Granok-Ältesten zitiert, um sich für seine Taten zu verantworten ...

1221 n.E. Der Krieg von Gnox

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Teil 1 Der Jüngste Tag

Durek saß auf einem kaputten Kettenfahrzeug des Dominion und sah zu, wie die entmutigten Reihen der waffenlosen (und größtenteils verwundeten) cassianischen Soldaten auf den Sicherheitszaun zuhumpelten, der den Raumhafen umgab, ihr Gesichtsausdruck leer und verständnislos. Eine Niederlage ist immer eine bittere Pille, umso mehr, wenn man noch nie eine einstecken musste.

Er seufzte und ging den Hügel hinauf, auf dem gestern eine Dominion-Granate ein Loch in seinen Unterleib gerissen hatte. Zu der Zeit hatte er die Wunde gar nicht bemerkt, so groß war seine Rage gewesen. Er hatte beim Aufrichten nur etwas geschwankt, die Luke des Panzers weg gerissen und seinen Weg der verheerenden Vernichtung fortgeführt. Es war ihm eine innere, barbarische Freude! Durek hatte diesen Umstand in seinem gewaltigen Zorn zunächst gar nicht registriert. Er war einfach aufrecht hinmarschiert, hatte die Luke des Panzers weggerissen und sein zerstörerisches Handwerk im Inneren fortgesetzt. Seit Beginn des Krieges hatte er noch nie eine so ungebremste Freude empfunden. Er hatte schon gar nicht mehr geglaubt, dass er zu so etwas überhaupt fähig war. Aber selbst das war nichts im Vergleich zu der rauschhaften Befriedigung gewesen, die er jetzt empfand. Die Eindringlinge zogen ab. Sieg! Gnox war frei. Aber warum fühlte Durek dann diese beunruhigende Leere im Magen, die mit seiner frischen Wunde garantiert nichts zu tun hatte? Er kannte die Antwort.

Schweigend beobachtete er die beschädigten cassianischen Schiffe, wie sie mühsam und wackelig himmelwärts flogen. Hinter der grimmigen Zufriedenheit bei diesem Anblick nagte ein unangenehmes Gefühl angesichts der morgigen Aufgabe an ihm. Er spürte den finsteren Blick seines Flügeladjutanten Krull, der weiter oben auf dem Hügel stand. Krull hatte bestimmt, aber vergeblich dafür argumentiert, dass eine bewaffnete Eskorte die Überlebenden des Dominion aus dem System hinausbegleitete, für den Fall, dass versprengte Überlebende der Cassianer auf der Lauer lagen, um sich zu rächen. Aber Durek hatte das abgelehnt. Er wusste, wann ein Gegner geschlagen war. Er sah die Niederlage tief in ihre zermürbten Gesichter und vormals prachtvollen Rüstungen gemeißelt. Irgendwann kamen sie vielleicht zurück, aber erst einmal nicht für eine lange Weile. Hoffentlich lange genug, dass er zwischenzeitlich den Rat dazu bewegen konnte, seine Meinung zu ändern.

Gegen Abend verschwanden die Kondensstreifen der letzten Schiffe, der Himmel verfinsterte sich und die Sterne gingen auf, außergewöhnlich hell, nachdem sie wochenlang von den Rauchschwaden der Schlacht verdunkelt worden waren.

„Wir hätten sie alle töten sollen“, murmelte Krull verbittert und riss Durek aus seine düsteren Gedanken.

„Die Toten werden sich nicht an diesen Tag erinnern“, antwortete Durek. „Aber die schon.“

Krull schüttelte den Kopf. „Und wenn Millionen von ihnen zurückkehren?“

Durek zuckte die Achseln. „Wir haben jede Menge Munition.“

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Teil 2 Eine klare Weigerung

Seit unzähligen Äonen waren die Granok dem Weg des Steins gefolgt, einer Sammlung von Grundsätzen, ebenso unverrückbar und dauerhaft wie die Hülle des Planeten. Die Regeln galten seit Zehntausenden von Jahren. Und sie würden ewig gelten.

Doch dann erschien das Dominion.

Wie üblich hatten die Mechari den Granok zunächst geschmeichelt, begleitet von einem Hauch unterschwelliger Einschüchterung. Sie hatten sie „eingeladen“, in das mächtigste Reich eingegliedert zu werden, das die Galaxie jemals gesehen hat. Sie hatten Beispiele ihrer wundersamen Technologie präsentiert. Sie hatten versichert, dass nur wahrhaft würdige Völker für diese Ehre überhaupt in Erwägung gezogen wurden. Und der Preis dafür war lediglich eine minimale Formalität: Die Häuptlinge sollten niederknien und dem Kaiser ewige Treue schwören.

Aber die Kriegsherren der Granok zeigten sich unbeeindruckt. Ihre erste Antwort hatte darin bestanden, aus den Gesandten rauchende Altmetallhaufen zu machen. Natürlich hatte das einen Krieg zur Folge, der erst Wochen und dann quälend lange Monate andauerte. Beide Seiten erlitten dabei schwere Verluste. Doch mit der Zeit gewann die überlegene Technologie des Dominion die Überhand.

Unter allen Granok-Kriegsherren weigerte sich allein der junge Durek, die Niederlage zu akzeptieren. Er hatte mehrere tollkühne Schlachtzüge in Dominion-Lager angeführt und dort Waffen und Rüstungen sowie Pläne für mächtige Technologien konfisziert, die in den letzten Wochen entscheidend dazu beigetragen hatten, dass sich das Kriegsglück wendete. Der Verlust ihres traditionellen technischen Vorteils zwang das Dominion zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Defensive.

Und als das geschlagene Dominion den vollständigen Rückzug befahl, befahlen die Häuptlinge der Granok ohne jede Regung, dass Durek sich mit seinen Truppen vor ihrem Zelt einzufinden habe.

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Teil 3 Ausgestoßene zur Miete

Durek ignorierte die missbilligenden Blicke der strengeren Konformisten in seiner direkten Nähe und zündete sich eine Zigarre an. Ein lautes Hornsignal zerriss die Stille der Schwarzhangebene. Es war so schrill, dass Krull überrascht prustete, was weitere Unmutsmienen nach sich zog. Als könnte dieser Klang jemals unerwartet ertönen! Das riesige weiße Horn war vor Urzeiten aus dem Kopf einer Bestie gefertigt worden, die seit Äonen nicht mehr durch die zerklüfteten Ebenen von Gnox gestreift war. Und schon zu den Zeiten dieser Bestie und ihrer langen Schreckensherrschaft war der Weg des Steins alt gewesen, und seit seiner Entstehung war keine einzige Silbe daran geändert worden.

Umringt von schwer bewaffnetem Gefolge traten die Stammesführer der Sieben Nationen aus ihrem Zelt und stellten sich ernst vor die tuschelnde Menge. Ihre Roben flatterten leicht im trockenen Wind.

„Den Weg des Steins zu verlassen, heißt zu verraten, was uns zu Granok macht“, begann der Älteste. Er sah Durek direkt in die Augen und sprach dann weiter. „Es nimmt uns unsere Identität. Darauf können nur Elend und Tod folgen. Die Entscheidung wird nicht revidiert.“

„Dann eben nicht“, dachte Durek, als die Ältesten sich wieder zurückzogen. Die Belohnung für die Rettung ihrer Spezies vor der Ausrottung durch rücksichtslose Eindringlinge bestand in der Verbannung von ihrer Heimatwelt. Für immer.

Durek wandte sich den versammelten Soldaten hinter sich zu, deren gemeißelter Gesichtsausdruck zeigte, dass auch sie ihr Schicksal akzeptierten.

„Alles klar, packt eure Sachen und macht euch bereit auszurücken“, knurrte er, während er sich eine Zigarre anzündete, die er vor Kurzem der Leiche eines cassianischen Offiziers abgenommen hatte.