Zusammenfassung

Jahrhunderte nach dem Verschwinden der Nomade landete die Flotte hochentwickelter Aliens auf Cassus. Ihr Anführer, ein Mechari-Roboter, behauptete, dass die Cassianer von den gottgleichen Eldan als Herrscher des Universums auserwählt wurden. Einzige Bedingung dafür war die Übergabe der Schwertmaid Tresayne Toria, ihrerseits die größte Kriegerin der Cassianer. Alternativ drohte ihnen die Ausrottung. Tresayne erklärte sich dazu bereit, um ihr Volk zu retten. Jahrzehnte später kehrte die eldanische Flotte zurück. Diesmal trat jedoch jemand anders an die Cassianer heran: Dominus das Halbblut, eine Kreuzung aus Mensch und Eldan, durch dessen Adern Tresaynes Blut floss. Und er überbrachte dem Volk von Cassus eine glorreiche Botschaft ...

1 n.E. Der Aufstieg der Cassianer

Zusammenfassung Liste
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Teil 1 Ein verlockendes Angebot

Axis Pheydra trat aus ihrem Schiff heraus und nickte den Massen ehrfürchtiger Menschen kurz zu, die sich in der heißen Sonne vor den Kolonnen glitzernder, bewegungsloser Mechari versammelt hatten. Sie wusste, welche Bedeutung Humanoide derartigen harmlosen Gesten seltsamerweise zumaßen, selbst wenn nur diejenigen sie sahen, die die Zeremonie im Fernsehen verfolgten. Doch um die Millionen zu beeindrucken, die jetzt auf dem gewaltigen öffentlichen Platz standen, würde sie größere Schritte unternehmen müssen.

Ein Trupp organischer Bediensteter kam nach vorne und trug einen korpulenten Mann in Goldroben, der auf einem brummenden elektromagnetischen Kissen saß. Seine Stimme war sanft und höflich, auch wenn er die Angst hinter seinem gefrorenen Lächeln nicht ganz verbergen konnte. „Erlauben Sie mir als oberstem Kanzler des Cassianischen Commonwealth, unseren ersten interstellaren Besuchern ein tief empfundenes und zu beiderseitigem Profit gereichendes Willk...“

Pheydra unterbrach ihn eiskalt, während sie die Gesichter der Ehrenwache in ihrer schimmernden Uniform in Rot und Gold musterte. „Wer ist Tresayne Toria?“

Das Lächeln das Kanzlers fror noch etwas weiter ein. Er war klein und wohlgenährt, sein wahres Alter unter Unmengen an Schminke nicht zu ermitteln. „Wie meinen?“

„Die Verwüsterin von Sculptoris.“ Pheydra drängte an ihm vorbei und scannte jedes Genom auf dem überfüllten Platz. „Die Geißel der Schwarzen Flotte. Bezwingerin von Zeificus dem Irrsinnigen. Champion der Gruben von Phardoum. Wichtige Siege als Kommandeurin des Cassianischen Commonwealth: 8024. Siege in persönlichen Kämpfen: 632. Niederlagen: keine. Ich will sie sofort sehen.“

Der Kanzler hustete in seinen Rüschenärmel. „Commander Toria ist mit der Befriedung der Kolonien beschäftigt ... Aber ich bin durchaus ...“

Pheydras Stimme schallte über den Platz und den Planeten, und das Echo klang wie Donner aus den Wolken. „Wir sind die Mechari, Gesandte der glorreichen und mächtigen Eldan. Tresayne Toria muss uns auf unsere Welt begleiten. Zum Ausgleich wird euer Volk das Universum beherrschen.“

Der Kanzler wich zurück.

„Solltet ihr diese Ehre zurückweisen, werdet ihr ausgelöscht. Trefft eure Wahl.“

Die Stille war ohrenbetäubend. Keiner der drei Millionen Anwesenden wagte zu atmen.

Schließlich wandte sich der Kanzler seinem aschfahlen Bediensteten zu und zischte: „Ich brauche sofort den Kolonienkanal, sobald du einen Daumen frei hast?“

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Teil 2 Das Goldene Reich

Casus hatte das ungeklärte Verschwinden der Nomade zu den Akten gelegt. Die Existenz des Vorfalls war absichtlich vergessen worden, degradiert zu einer schwammigen Fußnote im Lexikoneintrag über die Anfangszeit der Raumfahrt. Wie viele Kulturen vor ihm war der Commonwealth nicht daran interessiert, seine Fehlleistungen publik zu machen.

Doch obwohl sich kaum jemand an die Nomade erinnerte, galt das nicht für die aus der Unternehmung gezogene Lektion: Das Universum war ein seltsamer und gefährlicher Ort. Seine Eroberung würde mit Sicherheit kein Spaziergang werden. Aber wenn es um territoriale Expansion ging, waren die Cassianer ein enorm geduldiges Volk. Sie planten eine Eroberung Stück für Stück, Planet für Planet. Doch statt eines einzigen Erkundungsschiffs starteten nun ganze Geschwader von Kolonisierungsschiffen, eskortiert von schwer bewaffneten Fregatten.

Die Militarisierung der Weltraumerkundung hatte jedoch noch andere Gründe. Es gab zwar auf Cassus kaum Aufstände, und die wenigen wurden rasch niedergeschlagen, aber in den Kolonien sah das anders aus. Jahrzehntelange harte Arbeit in dreckigen Löchern hatte selbst bei den treuesten Bürgern zu ernsten Zweifeln an ihrer Loyalität geführt. Immer häufiger kam es zu Wechseln in der Befehlshierarchie, manchmal durch Tod, manchmal durch Fahnenflucht.

Aber derart trostlose Umstände brachten auch außergewöhnliche Krieger hervor. Die Größte von ihnen war Tresayne Toria. Sie missachtete voller Verachtung ihre lange und recht illustre Abstammung und wurde die jüngste und berühmteste Schwertmaid der Geschichte. Mit neunzehn Jahren hatten sie und ihre zumeist weiblichen Schülerinnen in den abgelegenen Kolonien Dutzende streitsüchtige Kriegsherren in die Knie gezwungen und damit ebenso viele Welten dem rasch wachsenden Commonwealth eingegliedert.

Doch dann kam der Tag, an dem die Mechari-Armada den Himmel über Meridia verdunkelte und ihnen ihren „Vorschlag“ unterbreitete.

Letztlich akzeptierte Tresayne. Zusammen mit mehreren Hundert ihrer Waffenschwestern, die sich weigerten, sie zu verlassen, ging sie an Bord des Mechari-Schiffs. Eine Woche später verließ die Flotte den Planeten.

In den folgenden Jahrzehnten wurde dieses Ereignis immer wieder analysiert und mythologisiert, wobei sogar die Echtheit der Bild- und Tonaufnahmen selbst in Zweifel gezogen und wild debattiert wurde. Selbst Augenzeugen jenes Tages begannen an ihren Erinnerungen zu zweifeln.

Doch dann, einunddreißig Jahre nach ihrer Abreise, kehrten die Schiffe zurück. Und diesmal stieg ein organisches Wesen aus.

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Teil 3 Der Lieblingssohn

Dominus das Halbblut entstieg dem Flaggschiff der Mechari, ein Titan in roter Rüstung, an seiner Hüfte das Schwert seiner Mutter. Die Menge war noch viel größer als beim letzten Mal. Er hatte sich Pheydras ersten Besuch oft angesehen. Das werden eines Tages deine Untertanen sein, hatte seine Mutter ihm zugeflüstert. Beachte, was sie begeistert, und sei bereit, es zu simulieren.

Nicht alle Anwesenden sind begeistert, dachte er bei sich, als er die Reihen der besorgten Mienen mit ihren gesenkten Blicken scannte. Aber er spürte auch, wie viele außerhalb seines direkten Sichtfelds nicht aufhören konnten, ihn anzustarren. Trotz seines seltsam fremdartigen Aussehens und der übergroßen Knochenstruktur erinnerte er an seine Mutter, und die hatte niemand vergessen. Sie erkannten sie in seinen stechenden goldenen Augen, dem wiegenden Gang, der scheinbar entspannten Haltung seiner Schwerthand. Und sie sahen noch etwas weitaus Größeres.

„Verwandte“, ertönte seine Stimme, „meine Mutter war Tresayne Toria, Kommandeurin eurer Flotte. Zudem fließt das heilige Blut der Eldan durch meine Adern. Ich bin gekommen, um uns zu wahrer Größe zu führen. Als euer Kaiser.“

„Wir brauchen hier keine Kaiser“, entgegnete ein Adeliger eisig und tat humpelnd vor. „Und ihr bekommt keine von unseren Frauen mehr.“

„Zweifelst du etwa meinen Anspruch an?“, sagte Dominus, sanft, aber mit tragender Stimme. Er trat ebenfalls vor, die Hand auf dem Schwertgriff. „Nennst du mich einen Lügner?“ Sein Schwert sang, als er es zog, über den Mann erhob, der nicht einmal mehr zum Blinzeln kam, und dann auf den Boden neben ihm herabschnellen ließ, sodass das Geräusch wie Donner über den Platz hallte, die resultierende Schockwelle Dutzende umwarf und rund um die Stadt einen seismischen Ring der Erschütterung zog. Selbst Wolkenkratzer ächzten.

Hunderte von Augen waren auf Dominus fixiert – und auf das Schwert, das bis zum Anschlag im Stahlbeton zu seinen Füßen steckte. „Dieses Schwert wurde aus Legierungen geschmiedet, die ihr beim aktuellen Stand eurer Technik in einer Million Jahren nicht entdeckt hättet.“ Während er sprach, schleuderte er mit der anderen Hand einige Silberkugeln Richtung Himmel. Sie verschwanden am wolkenlosen blauen Himmel. Sekunden später began es zu regnen. „Unsere Gönner meistern die Elemente mit Leichtigkeit.“ Dominus trat den Gehstock des Adeligen weg und deutete auf dessen kaputtes Bein, als dieser überrascht nach vorne stürzte. „Sie haben Naniten, die Gewebeschäden beliebiger Schwere beheben können.“ Der Mann fing seinen Sturz ab und sah verwundert auf sein Bein, das sich sichtbar regenerierte.

„Gemeinsam werden wir die Essenz der Schöpfung kontrollieren. Seid ihr dabei?“

Innerhalb von Sekunden war der vormals verkrüppelte Adelige der einzige Cassianer auf dem Platz, der nicht sein Haupt beugte.