Zusammenfassung

Über Jahrtausende hatten die wilden und überaus flinken Aurin auf dem Waldplaneten Arboria ein einfaches Leben geführt, unter der Herrschaft einer Ahnenreihe von Königinnen, die direkt mit dem Mutterbaum kommunizierten. Sie hatten noch nie Außenweltler gesehen und waren wie verzaubert, als die alten Schiffe der Flotte der Verbannten am Himmel auftauchten. Die beiden Gruppen teilten Nahrung, Wasser und Geschichten und schlossen schon bald eine dauerhafte Freundschaft. Aus Angst, den Zorn des Dominion auf ihre neuen Freunde zu lenken, zogen die Verbannten weiter. Doch die Saat der Zerstörung war bereits gesät ...

1656 n.E. Die Verwüstung von Arboria

Zusammenfassung Liste
Hero Image

Teil 1 Dunkler Wirbelwind

Arwick sprang von Ast zu Ast, während Asche in seine Augen stach und seine Lungen sich mit dem beißenden Geschmack seines brennenden Planeten füllten. Über den Lärm der lodernden Flammen drangen Schreie durch den Rauch zu ihm, die Hilfe erbaten oder Ausdruck von Trauer waren. Aber er wurde niemals langsamer, sondern sprang immer weiter voran durch die rußgeschwängerte Feuersbrunst. Seit Tagen war er schon unterwegs, ohne Pause, ohne Nahrung. Denn ihn hungerte nur nach einem: Vergeltung.

Durch die Aschewolken kam man wenigstens voran, im Vergleich zu den Schlammteichen, die ihn immer wieder dazu zwangen, nach oben auszuweichen. Zumindest hatte er die Substanz anfangs für Schlamm gehalten, bis einer der Teiche Feuer fing und er erkannte, dass es sich um Pflanzensaft handelte, ganze Ozeane davon, der bereits zu einer Art organischem Mörtel verdickte. Wieder einmal spuckte er aus. Er hatte von Anfang an gewusst, dass diese Verbannten mit ihren Luftschiffen und brennenden Mundstöcken nur Unglück brachten. Wegen ihnen brannte Arboria jetzt. Und statt die Eindringlinge zurückzuschlagen, boten sie ihnen lediglich an, sich ihnen aus nebulösen Gründen bei einer Flucht in den sicheren Tod anzuschließen. Um nicht zu brüllen versuchte er, seine Wut mit Erinnerungen an Myalas Haare zu dämpfen. War sie noch am Leben? Falls nicht, würde er es vorziehen, in diesem Inferno ebenfalls unterzugehen.

Das war sein letzter Gedanke, bevor er nach einer wohlbekannten Ranke griff, die plötzlich nicht mehr vorhanden war. Als Nächstes stürzte er durch eine Art Wirbel aus Staub nach unten. Er fiel eine Ewigkeit, bis sein Gesicht auf ein Stück Stahl prallte, das mit schleimig-blubberndem Rost bedeckt war. Dort lag er dann, auf dem Kopf einer Schraube, die breiter war als der Stamm des ältesten Lansa. Er spähte über die Kante und erhaschte den ersten Blick auf die brüllende Bestie, die er schon seit Tagen gehört hatte.

Schon der Anblick allein bereitete ihm Kopfschmerzen. Gezackte Knöpfe und quietschende Achsen traten überall aus konkaven Oberflächen hervor, völlig ohne erkennbaren Sinn, als habe der Urheber Eleganz regelrecht verachtet. Weit darunter spritzten Hunderte von Geschützen giftige Entlaubungsmittel in alle Richtungen, während Metallwalzen sich ununterbrochen durch das Grün schoben, das älter war als der Mond.

Eine Welle glühender Raserei überkam ihn. Er rannte die Oberfläche hinunter, und während die Gravitation ihn immer weiter zog, geriet er zwischen rotierende Turbinen, die ihn beinahe enthauptet hätten. Dann verfing sich sein Fuß in einem einzelnen Schlauch, und er wurde mit dem Kopf voran gegen einen sich drehenden Kegel voller Stacheln geschleudert, wobei er sich beim Abprallen die Schulter ausrenkte. Etwas quetschte ihn in eine rutschende Achse, an der er sich festklammerte. Es ging über einen Abgrund kreischender Schaltkreise, und als seine verbliebenen Finger schließlich keine Kraft mehr hatten, raste er nach unten, durch albtraumhafte Höhlen voller Uhrwerkeingeweide.

Hero Image

Teil 2 Wächter des Waldes

Seit Jahrtausenden hatten die Aurin friedlich auf dem Waldplaneten Arboria gelebt. Sie waren eine symbiotische Verbindung mit den Bäumen ihrer Welt eingegangen und hatten sich zu wilden und geschickten Jägern entwickelt, die sich der Kultivierung der Wälder von Arboria sowie der darin lebenden Kreaturen verschrieben hatten. Die Aurin wurden von einer ununterbrochenen Linie von Königinnen angeführt, die direkt mit dem alten Mutterbaum kommunizierten, und hatten ein idyllisches Dasein am Rande der Grenzzone geführt, ohne je auch nur die Möglichkeit zu erwägen, andere Welten könnten von Wesen bevölkert sein, die nicht so waren wie sie.

Als sie auf die bunt zusammengewürfelten humanoiden Überreste von Brightlands Rebellion trafen, waren sie schockiert, zu erfahren, dass ihre lange Isolation sie von Ereignissen ferngehalten hatte, deren Ausmaße sie sich kaum vorstellen konnten. Die Aurin fanden die Besucher hochinteressant (außer die Mordesh, deren bloße Anwesenheit sie nervös machte) – sie hörten wissbegierig ihren Geschichten von Konflikten zwischen ganzen Welten zu und nahmen demütig Gerätschaften und mechanische Diener als Geschenke entgegen.

Im Austausch brachten sie ihnen landwirtschaftliche Techniken bei, wodurch die Nahrungsmittelproduktion völlig neue Formen annahm und allen einen Überfluss an Lebensmitteln und Wasser, Samen, Baumaterial, Erde und (in den Augen der Granok das Beste überhaupt) einem fermentierten Getränk bescherte, das den Gaumen reinigte und das körperliche Gleichgewicht vorübergehend schwächte.

Schließlich jedoch verkündeten die Außerweltler trotz wiederholter Bitten der Aurin, doch für immer zu bleiben, dass es nun an der Zeit sei, weiterzuziehen. Sie wollten weder der Flotte des Dominion in die Hände fallen noch mitschuldig daran sein, dass ihre neuen Freunde unter dem Zorn des Feindes zu leiden hatten. Nach einem emotionalen Abschied und beiderseitigen Versprechen, sich eines Tages wiederzusehen, reisten die Verbannten ab, fest davon überzeugt, dies sei unbemerkt geschehen.

Und dann tauchten die Planetenfresser auf...

Hero Image

Teil 3 Weltenzerstörer

Mit einem ungeduldigen Schnauben ließ Mondo Zax seinen Stuhl nach oben gleiten, um grinsend einen Blick auf das Panorama der Zerstörung zu werfen, die sich draußen abspielte. Die Ernte des Planeten 45658b ging gut voran. In nur einer Woche waren drei Kontinente entlaubt und der Großteil der Überreste zu Proteinmodulen verarbeitet worden. Die einzige Enttäuschung bestand darin, dass der Boden zu fett war, als dass man darauf Fabriken hätte errichten können. Die Kruste von Arboria war bis in eine Tiefe fruchtbar, die selbst die tiefsten Bohrungen noch nicht ausgelotet hatten. Aber zumindest gab es keinen Treibstoffmangel mehr.

„Anomalie entdeckt“, murmelte ein Assistent.

Zax verzog die Mundwinkel. „Mag ich nicht.“

Der Assistent drückte auf eine Taste. Neben Mondos Kopf schaltete sich ein Monitor ein und zeigte die Großaufnahme eines Eingeborenen, der keuchend zwischen durchtrennten Kabeln und durchgebrannten Mikroschaltkreisen hing. Noch hatte er keine größeren Schäden angerichtet, aber wenn die Kreatur so weitermachte, würde sie unweigerlich die Brennstabkammern erreichen.

„Kammer fluten!“, zischte Zax und umklammerte seinen Lieblingsschraubenschlüssel.

Der Assistent wirkte unsicher. „Fluten ... kostet uns Hälfte der Energie.“

„Sind schon vor Zeitplan“, entgegnete Zax. Das Ding riss büschelweise Drähte heraus, hebelte Kühlmittelchips aus ihren Slots und schlug auf die Steuerungseinheiten ein, bis sie in Rauch aufgingen. Wie es so tief hineingelangen konnte, war völlig unklar. Aber es lag eine gewisse Ironie des Schicksals darin, dass es jetzt ertrinken würde, nachdem so viele seiner Artgenossen verbrannt waren. Zax konnte bei diesem Gedanken ein Kichern nicht unterdrücken.

Der Assistent legte einen Schalter um. Der Tank füllte sich langsam mit einer dickflüssigen, schwarzen Substanz. Die Kreatur blickte auf den Schlamm herab, der immer höher stieg, und stürzte sich dann mit einem Knurren kopfüber hinein. Lächerliches Ungeziefer! Vielleicht würde er sich einen aufheben, um daran Experi...

„Reservekurbelwelle deaktiviert“, murmelte der Assistent.

„Unmöglich!“, schrie Zax, und seine Augen verengten sich. „Töten!“

Der Assistent betätigte hektisch einen anderen Schalter. Die Monitoransicht wechselte, und Zax sah gerade noch, wie die untere Treibstoffklappe des Schnitters sich löste, gefolgt von Unmengen an Flüssigkeit und dem völlig durchnässten und wild rudernden Eindringling. Sein kleiner Körper schoss völlig unnatürlich zur Seite, griff nach einem verkohlten Ast, sprang mit mehreren Salti zwischen den Salven der Buggeschütze des Schnitters hin und her und war dann verschwunden.

„Suchen und Finden, jetzt!“, bellte Zax. „Ich will seinen Kopf auf einem ...“

Ganze Reihen von Warnleuchten blitzten auf, begleitet von mehreren Alarmsirenen. Als Mondo begann, hektisch Befehle zu erteilen, erzitterte das gesamte Cockpit. Und als sich das Deck unter ihm neigte, schrie Zax vor Wut auf.