Zusammenfassung

Vor achthundert Jahren unternahm die Primäre Genese einen verzweifelten Versuch die toxische Ausbreitung ihres Erzfeindes, der Entität, einzudämmen, indem sie mit dem Lichtturm ein gewaltiges Exanit-Gebäude errichtete, das sie beide tief in der Gramkammer einsperrte. Auch wenn Drusera bis heute die immer heftiger werdenden Angriffe der Entität und ihrer nie versiegenden Legionen zurückschlagen muss, hofft sie auf das rechtzeitige Eintreffen mächtiger Verbündeter, die ihre Gefangenschaft endlich beenden ...

HEUTE Die Primäre Genese

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Teil 1 Mentales Kräftemessen

Im Schatten des Lichtturms stehend, und wie schon seit ewigen Zeiten, blickte sie hinauf und beobachtete verstohlen den düsteren Horizont, allerdings sank ihre Zuversicht stetig. Wie schon seit ewigen Zeiten näherte sich niemand und auch sonst hatte die Landschaft nicht viel zu bieten, es sei denn man zählte die glitzernden Bläschen auf jeder Oberfläche mit – und die umherziehenden Monstrositäten, die hin und wieder über die Hügel krochen und nach Eindringlingen schnüffelten. Sie spürte hinter sich die zersetzende Last der bedrohlichen Anwesenheit ihres Verfolgers, der unablässig jede ihrer Bewegungen registrierte, jeden ihrer Gedanken vorausahnte. Wenn es darum ging, sie zu zermürben, schien seine Energie grenzenlos zu sein.

Seine spöttischen Worte kratzten über ihren Geist wie ein sich öffnender Fächer aus Stacheldraht: Eine merkwürdige Berufung – derart leidenschaftlich seiner eigenen Vernichtung entgegenzusehen …

Sie blieb völlig ungerührt, zeigte nicht den Hauch von Interesse.

Wann wirst du endlich das Unvermeidliche akzeptieren?

Abwesend löste sie einen Felsbrocken vom nächsten Gipfel und ließ ihn lautstark auf den Kopf eines Transmutierten in der Ferne fallen, dessen Gliedmaßen daraufhin nur noch kurz zuckten.

Jeder Augenblick, den wir dieser sinnlosen Feindseligkeit widmen, ist verschwendet. Gemeinsam könnten wir so viel erreichen. Sturheit ist keine Tugend.

Die Leiche der Kreatur dampfte und zerfiel zu Schlamm, der dann kristallisierte und in tausend hässliche Splitter zersprang, genau wie alle ihre Vorgänger, die kreischend und schnatternd über die Landschaft verstreut waren.

Wenn du so sicher bist, dass mir niemand zu Hilfe kommt, wozu brauchst du dann Armeen?

Der Akt der Schöpfung erfreut Uns. Um seiner selbst willen.

Es erfreut dich, diesen Akt zu pervertieren.

Uns.

Es gibt kein Uns.

Es gibt nur Uns.

Er schaufelte die Kreaturen wieder zusammen, zu einem kreischenden Matschhaufen, und formte daraus durch Rühren wie in einem Kuchenteig eine Skulptur ihrer beider Körper, völlig ineinander verschlungen. Sie rollte mit den Augen, zerstörte das „Werk“ und schleuderte beiläufig tausend Exanitspeere auf sein grinsendes Gesicht. Er pflückte sie sanft aus der Luft, verwandelte ihre Spitzen in abstruse Blüten und überreichte ihr das Ganze wie einen obszönen Blumenstrauß. Ihr fiel auf, dass er dabei sorgsam darauf bedacht war, es nicht zu berühren.

Wie immer hat sich deine Vorstellung von Überzeugungskraft nicht weiterentwickelt.

Ts, ts, ts ... Er fuhr wie üblich mit seinem langen scharfen Nagel ihre Wände entlang und suchte nach Ritzen in dem jahrtausendealten Mörtel. Und was ist mit dir? Du unternimmst gar nichts gegen mich. Weil du es nicht kannst.

Warten ist keine Untätigkeit.

Obwohl sie sich eingestehen musste, dass es sich nach genügend langer Zeit fast so anfühlte.

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Teil 2 Die lange Wacht

Der Lichtturm hatte über die Jahre durchaus einige Besucher gehabt, in wellenartigen Zyklen unterschiedlicher Intensität, unterbrochen von langen Perioden völliger Abgeschiedenheit. Alle tapfer. Alle mächtig. Alle tot. Die meisten waren von den Wächtern der Entität angegriffen und in Stücke gerissen worden. Einige waren in noch monströsere Abscheulichkeiten verwandelt worden. In manchen Fällen hätte sie eingreifen können.

Nicht in den ersten Jahrtausenden, denn die Eldan waren für ihre Abneigung gegen Eindringlinge berüchtigt.

Aber mit den Jahrhunderten wurde ihre Rückkehr unwahrscheinlicher, und die Unwissenden und die Habgierigen, die das alles vergessen hatten, unternahmen zunehmend waghalsige Vorstöße. Es hatte sie nicht weiter überrascht, dass die Osun als Erste ihr Glück versuchten. Aber nachdem sie den fünften Berg auf sie hatte herabstürzen lassen, hatten die Überlebenden es sich anders überlegt.

Hin und wieder hatte es auch einen verirrten Megadroiden gegeben, der dem schwachen Signal eines seiner gefallenen Kameraden gefolgt war. Sie hätte den Planeten vor seinem Blick verbergen, sein Gedächtnis löschen und ihn unversehrt weiterziehen lassen können. Stattdessen hatte sie ihn unter dem durchdringenden Blick der Entität hereingelockt, sofort demontiert und sein Gehirn dem Hüter übergeben, in der Hoffnung, die Beschäftigung damit würde als kognitiv anspruchsvolle Herausforderung ausreichen, um dessen derzeitige Instabilität zu beheben. Es hatte nicht funktioniert. Und ihre einzige Befriedigung bei dieser sinnlosen Zerstörung war die kurzzeitige Überraschung der Entität gewesen. Sie wollte, dass er Zeuge davon wurde, damit er wusste, wozu sie fähig war. Dass ihr Groll auf ihn stärker war als alle Ideologien. Dass es etwas Persönliches war.

An die Cassianer hatte sie seit Generationen nicht mehr gedacht. Sie hatte lediglich die Hoffnung, ihre Welt möge weit genug entfernt sein, damit sie von der völligen Zerstörung verschont blieben, die mit Sicherheit kommen würde, und sei es auch nur für einen kurzen Zeitraum.

Doch eines Tages, als sie ihre üblichen Scans nach bemerkenswerten Phänomenen durchführte, hatte sie ihren Blick aus irgendeinem Grund, den sie selbst nicht benennen konnte, nach außen gerichtet, gegen jede Logik neugierig auf die Entwicklungen in den entferntesten Ecken der Galaxie. Und dort hatte sie den erfrierenden Hominiden in seiner winzigen Metallschale entdeckt, wie er auf dem weiten, dunklen Ozean dahintrieb.

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Teil 3 Ziel fast erreicht

Sie stand im Schatten des Lichtturms, wie sie es schon seit ewigen Zeiten tat. Blitze zuckten über den aufgewühlten Himmel, Donner erschütterte den Boden unter ihr. Verspottung durch das Wetter machte ihm besonders viel Spaß, zweifellos eine subtile Erinnerung an ihren gemeinsamen elementaren Ursprung.

Ein Jahr lang oder sogar weniger hielt sie ihre glänzenden Schutzzauber aufrecht und ließ sie über der zerstörten Hochebene kreisen, während er zwischen ihnen hindurchglitt und aus seinem Schleim zahllose gepeinigte Kreaturen freisetzte. Hin und wieder hielt er an, betrachtete den Nächststehenden und versetzte ihm mit lautem Knall einen gezielten Peitschenhieb. Er prüfte ihre Verteidigung.

An deiner Stelle wäre ich vorsichtig. Sie verschränkte die Arme. Hast du das letzte Mal schon vergessen?

Ich erinnere mich in der Tat an eine weitaus gewalttätigere Reaktion. Lässt deine Kraft nach? Oder rechnest du immer noch mit Hilfe dieser kleinen Maden, auf die Unsere Schöpfer so viel Energie verschwendet haben?

Seine Worte versetzten ihr einen Stich. Sie dachte an die vielen Seelen, in deren Besuch sie ihre Hoffnung gesetzt hatte, nur um mit anzusehen, wie er sie mühelos auslöschte, bevor sie den gewaltigen Lichtturm auch nur erblickt hatten.

Der Verlust derart kurzer Lebensspannen hätte sie nicht so tief berühren dürfen. Ihr größter Ehrgeiz war nichts weiter als ein Windhauch. Dennoch traf jeder Tod sie mehr als der Untergang der gesamten Eldan. Vielleicht war genau das der Grund. Jeder Tod bedeutete, dass ein Funke grenzenloser Möglichkeiten verlosch, für immer verging. Wegen ihr.

Weil sie zu schwach war, alleine gegen ihn anzutreten.

Sie musste zugeben, dass ihr Schutz tatsächlich nachließ. Es widerte sie an, das auch ihm gegenüber einzuräumen, aber vielleicht hatte er recht. Das Universum war fehlerbehaftet und sein Zustand verschlechterte sich rapide. Vielleicht war ein Neugbeginn wirklich der einzige Weg. Je früher sie das akzeptierte, desto schneller konnte der Wideraufbau beginnen.

Beinahe traurig gab er ein Signal. Sofort stürzten seine Legionen sich mit Krallen und Zähnen auf die Schutzzauber, starben in Massen und wurden ebenso rasch wieder ersetzt.

Ihr Blick wurde trüb. Sie öffnete ihren Mund, um zu kapitulieren. Da bemerkte sie, dass er an ihr vorbeieilte, auf sich nähernde Flecken in der Ferne.

Erwartest du Gäste? Und zum ersten Mal war sein Tonfall ohne Hohn und Spott. An deiner Stelle würde ich sie zurückpfeifen. In seiner Stimme lag eine Anspannung, die sie nicht kannte. Zweifel? Diese Unterbrechungen strapazieren meine Geduld.

Von ihren Lippen löste sich ein Lachen. Halte sie auf, wenn du kannst.

Du unternimmst nichts gegen mich?

Sie antwortete mit einem Lächeln, das im selben Augenblick Tausende seiner Legionen in Flammen aufgehen und zu Asche verbrennen ließ. Das habe ich nicht gesagt.

Und ihre Schutzzauber erwachten wieder zum Leben.