Zusammenfassung

Während der langjährigen Herrschaft von Dominus entwickelten sich die Cassianer zu einem mächtigen interstellaren Reich. Die Mechari fanden jedoch, dass zusätzlich deutlich wildere Krieger benötigt wurden. Nach der Inspektion tausender Welten fanden sie schließlich die ideale Spezies: die Draken des Planeten Mikros. Unbarmherzige, brutale Kämpfer, deren gesamte Kultur sich um Tests der Stärke und der Fähigkeiten im Kampf drehte. Und so forderte Azrion, Sohn von Dominus, den obersten Klanfürsten der Draken zum Duell heraus. Bald darauf standen sich die beiden in einem Kampf um Leben und Tod gegenüber ...

352 n.E. Die Eroberung der Draken

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Teil 1 Eine merkwürdige Herausforderung

Kaiser Azrion stand vor dem Großklanlord und seine kleine Ehrengarde sah unter den Tausenden von Draken, die neugierig einen Blick auf die glitzernden Besucher von den Sternen werfen wollten, noch kleiner aus.

Zhur saß nur da und betrachtete sie voller Verachtung. Er hörte ihren leeren Ehrenbezeugungen längst nicht mehr zu. Er hatte keinerlei Respekt vor diesen weichen, hornlosen Maden mit ihren leuchtenden, harten Panzern und Waffen, die aus der Ferne töteten.

Als er gerade den Mund öffnen wollte, um die Vernichtung dieser unverschämten Eindringlinge zu befehlen, erklang Azrions Stimme in der alten Sprache der Draken, und ihr Echo hallte in der weitläufigen Ebene wieder: „Im Namen der heiligen Gebräuche von Mikros fordere ich, Azrion, Sohn von Dominus dem Halbblut, euch, Klanlord Zhur, hier und jetzt um die Herrschaft über unser beider Völker und aller damit verbundenen Leben heraus.“

Erbostes Grunzen und schallendes Gelächter wurde aus der Menge laut und erreichte Zhurs Ohren als einförmige Klangwelle nur mühsam unterdrückten Blutdursts.

Aufgrund seiner tadellosen Beherrschung der Einen Sprache war dem Eindringling zweifelsohne bewusst, dass seine Herausforderung den Kampf bis zum Tode bedeutete. Aber Zhur spürte keine Furcht, nur wilde Entschlossenheit und Selbstbewusstsein. Sein Auftreten war so einwandfrei, wie Zhur es selten bei einem Gegner erlebt hatte und er hatte schon viele erschlagen.

„Im Namen der alten Bräuche, so soll es sein“, brummte Zhur.

Zhur selbst führte die Kombattanten zu den Feldern von Kazor. Beide machten den Oberkörper frei und erhielten eine Klinge, geschmiedet in den Feuern des Tiegelbergs. Ihre Blicke fixierten einander. In der gewaltigen Arena war kein Laut mehr zu hören. Zhur leckte sich über die Lippen und genoss den bekannten Kupfergeschmack, der kommenden Siegesruhm versprach.

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Teil 2 Die Suche nach perfekten Mordmaschinen

Obwohl die Mechari in den drei Jahrhunderten seit der Gründung des Dominion militärisch stets siegreich gewesen waren, kamen sie überein, dass neues Blut vonnöten war. Denn die Cassianer waren zwar auf taktischem Gebiet überaus raffiniert, aber es mangelte ihnen an Freude am Gemetzel, einer Eigenschaft, die laut den letzten Schlachtanalysen der Mechari besonders effizient war, um aufstrebende Völker klein zu halten. Also wurden Sturmsoldaten mit wilderem Kampfgebaren gebraucht.

Nach sorgfältigem Studium der Kampfeffektivität von Tausenden von Spezies informierten die Mechari Azrion, den herrschenden Luminai-Kaiser und Sohn von Dominus dem Halbblut, dass die wilden Draken des vulkanischen Planeten Mikros für die Aufgabe ideal wären. Aber um die Loyalität dieser grausamen Jäger zu gewinnen, waren Verhandlungen gänzlich ungeeignet.

Die Mechari überließen kritische Angelegenheiten nur ungern dem Zufall. Darum hatten sie vor der Landung auf Mikros im Jahre 344 n. E. die wahrscheinlichsten Kampfmanöver des Großklanlords ausgiebig analysiert und simuliert. Seine Techniken waren nun ein offenes Buch: Seine bevorzugten Ziele waren die Halsschlagader und die Knöchelsehnen, Letztere zur Lähmung des Gegners, und eine Chance zur Enthauptung ließ er sich praktisch nie entgehen. Mit diesem Wissen suchten die Mechari als Nächstes nach möglichen Gegenmaßnahmen und Schwächen. Und wieder wurden sie fündig: eine jahrzehntealte Knöchelverletzung, die nie richtig verheilt war, eine panische Angst vor Infektionen und die brüchige Basis seines linken Horns. Anschließend wurden systematisch Methoden entwickelt, das alles auszunutzen.

Azrion war für diesen Kampf gezüchtet und sein ganzes Leben lang trainiert worden. Völker mit einer Kultur, die auf Ehre basiert, so hatten ihm die Mechari beigebracht, waren leichte Opfer, die man problemlos manipulieren konnte. Aber je länger Azrion sich mit Zhur beschäftigte, desto mehr war er davon überzeugt, dass die Mechari sich irrten. Er improvisierte. Er passte sich an. Er setzte komplexe Manöver ein, wenn man sie am wenigsten erwartete, und verfügte über unfassbare Reserven. Zhur war ein perfekter Kämpfer, und die Mechari konnten das trotz ihrer eigenen Perfektion einfach nicht erkennen. Azrion erzählte ihnen, was sie hören wollten, doch innerlich schwor er sich, dass der Kampf fair ablaufen sollte, ohne Tricks. Seine einzige Hoffnung auf einen Sieg über die Ehre der Draken war nicht, sie zu verachten, sondern sie anzunehmen. Und sie zu meistern.

Schon wenige Stunden nach der Ankunft der Cassianer betraten die Kämpfer den heiligen Duellplatz direkt vor der Draken-Hauptstadt Blutstein. Ihre Klingen würden dort über das Schicksal zweier Völker und Tausender von Welten entscheiden.

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Teil 3 Der Preis der Niederlage

Der Kampf war ein schrecklicher Anblick. Kein Duell jemals zuvor oder danach war wilder oder brutaler. Ihre Klingen führten einen tödlichen Tanz auf, der so schnell war, dass das Auge ihm nicht mehr folgen konnte. Schon bald waren die Körper beider Kombattanten voller Blut.

Oftmals waren die Zuschauer überzeugt, der Kampf sei vorbei, und ebenso oft stellte sich heraus, dass sie im Irrtum waren. Kein Augenzeuge würde sein Leben lang auch nur einen Augenblick dieser Begegnung vergessen.

Nach zehn Stunden bluteten beide Kämpfer aus Dutzenden von Wunden und konnten kaum noch stehen.

Beim letzten Aufeinandertreffen zerschmetterte ein donnernder Schlag von Azrion Zhurs Klinge. Als Nächstes riss Azrion Zhurs Horn mit einem ohrenbetäubenden Knacken aus dem Schädel, das im Krater noch überall wiederhallte, als er es dem Klanlord in die Brust rammte. Zhur ging in die Knie. Sein Gesicht war voller Verwunderung – auch dann noch, als Azrion ihm den Kopf abschlug, ihn der verstummten Menge zeigte und dann in ihre Mitte warf.

Die Draken knieten in konzentrischen Kreisen der Reihe nach nieder. Azrions Stimme schallte von den Hängen aus Obsidian wieder: „Draken von Mikros! Willkommen im Dominion!“