Zusammenfassung

Schon bald nach dem er die Kirche der Wachsamen gegründet hatte, erließ Kaiser Jarec ein Dekret der Ahnen, das zur umfassenden Spaltung von Klassen und Völkern auf Cassus führte. Die daraus resultierenden Misshandlungen der Niedergeborenen waren zu viel für Serrick Brightland, einen der geschätztesten Kommandanten des Dominion. Er entschloss sich eine Rebellion anzuführen, die schließlich in einen blutigen Bürgerkrieg mündete. Mit seiner zusammengewürfelten Rebellenarmee gelangen dem unbeugsamen Brightland zwar anfangs einige Siege, aber das Kriegsglück sollte sich schon bald wenden ...

1378 n.E. Brightlands Rebellion

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Teil 1 Reflexionen eines Verräters

Serrick Brightland schritt über die Brücke seines Flaggschiffs, der Kommandobildschirm wurde beherrscht von den riesigen roten Nebeln von Quorin Prime, und er versuchte, dessen Gravitationsbrunnen mit geballter Willenskraft dazu zu bewegen, seine Flotte nur noch einige Augenblicke länger zu verbergen. Die Armada des Dominion hatte ihre Beute gefunden. In der Unterzahl und waffentechnisch unterlegen, versteckte sich die angeschlagene Flotte unter dem Kommando von Brightland selbst, hochdekorierter General und jetzt gebrandmarkter Verräter, im Schatten eines Gasriesen und wartete auf Erlösung oder Untergang.

Den Gravitationsbrunnen eines Planeten als Tarnung zu benutzen, war ein klassisches Manöver. Und sein früherer Musterschüler kannte es sehr gut, denn Brightland hatte es ihm beigebracht. Aber er hatte leider keine Wahl gehabt. Vor allem nicht nach dem letzten Gefecht. Ceason hatte vor diesem Gasriesen elf andere nach Brightland durchkämmt. Hatte ihn das nachlässig gemacht? Serrick schritt über seine Brücke und wunderte sich.

Bei der 32. Runde erhielt Serrick seine Antwort. In einer Sekunde wechselte er noch die Richtung, und in der nächsten blendendeten ihn Ranken aus funkensprühendem Waffenfeuer. Sie füllten die Aussichtsfenster und verbrannten seine Schilde im Nu zu Asche. Brightland brüllte gerade den Befehl, das Feuer zu erwidern, als fünf seiner ohnehin angeschlagenen Schiffe förmlich zerschmolzen, aus dem Orbit nach unten wegbrachen und mit einem langen Schweif aus Flammen und Staub dem scharlachroten Abgrund entgegenstürzten. Caesons Timing war perfekt gewesen.

Serrick ordnete den Rückzug an, in vollem Bewusstsein, dass seine Flotte verloren war. Wie Aurelius wusste, hatte der Gravitationsbrunnen sie nicht nur verborgen, sondern er machte auch den Hypersprung unmöglich. Seine Kampfschiffe würden längst in Reichweite sein, bevor Brightland auch nur hoffen durfte, sicheren Abstand erreicht zu haben.

Die Strahl glitt nach vorne und füllte Brightlands Bildschirme mit einem offensichtlichen Einschüchterungsversuch, der offensichtlich nichts von der Verhältnismäßigkeit der Mittel hielt. Aber langsam. Aurelius verzögerte den Angriff, aber nicht aus Respekt, wie Brightland entsetzt erkannte, sondern aus Verachtung. Weil sein Schiff alt war, weil die Stern des Dominus mit der neuen, schnelleren Strahl nicht Schritt halten konnte. Diese Erkenntnis machte ihn wütend. Er schob seinen Unterkiefer nach vorne. Vom Gegner unterschätzt zu werden, war immer ein Vorteil.

„Admiral!“ ertönte Aurelius' Stimme, erschreckend ruhig. Herablassend. „Kapitulieren Sie, dann verschone ich Ihren Schrotthaufen. Anderenfalls nehme ich ihn in Visier. In fünf Sekunden.“ Pause. „Sie spielen eine Hand, mit der Sie nur verlieren können, Serrick.“

„Da hat er recht“, dachte Brightland. Aber zu seiner Verteidigung musste man sagen, dass er das alles ja so nicht geplant hatte.

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Teil 2 Zum Zerreißen gespannt

Die kulturelle Solidarität der frühen Tage nach der Rückkehr der Mechari hatte scheinbar jahrhundertelang angehalten, aber nach dem scheinbaren Aufstieg der Eldan zu Göttern verschlimmerten sich die tiefverwurzelten sozialen Unruhen. Als das Dekret der Ahnen bekannt gab, dass diejenigen in deren Adern das Blut der Luminai floß besser waren als die ohne, öffnete sich eine unüberbrückbare Kluft. Verehrete Häuser der Chroniken, die seit hunderten von Jahren Bestandteil der Städte gewesen waren, wurden niedergerissen und duch die Kirchen der Wachsamen ersetzt. Verbalen Beleidigungen waren schon bald zunehmend körperlichen Misshandlungen gefolgt, die sich gegen die sogenannten „Niedergeborenen“ richteten. Brightland hatte sich zu dieser Situation öffentlich kritisch geäußert und wäre damit fast vor dem Kriegsgericht gelandet.

Was als Demonstrationen für mehr Gehalt begonnen hatte, wuchs sich rasch zu blutigen Straßenschlachten aus. Die Spannungen wurden immer schärfer, bis die militärischen Anführer des Dominion befahlen, jeden Widerstand gegen die neue Ordnung brutal niederzuschlagen. Etwas später verkündete die Kirche der Wachsamen, dass eine Nulltoleranzpolitik per definitionem die einzige vernünftige Vorgehensweise sei.

Aber nach dem Massaker auf dem Toria-Platz hatte Serrick Brightland endgültig genug gehabt. Als er sich weigerte, das Feuer auf protestierende Zivilisten zu eröffnen, hatte sich schnell jemand gefunden, der damit kein Problem hatte. Und so wurde der höchstdekorierte Offizier der cassianischen Militärgeschichte inhaftiert und harrte der Hinrichtung wegen Verrats. Wie sein Flaggschiff, die Stern des Dominus, war Brightland kurz vor dem Ruhestand gewesen. Stattdessen brach er – noch in Ketten – allen fünf Soldaten, die ihn zum Erschießungskommando bringen sollten, das Genick, entkam bei der Überstellung ohne jede fremde Hilfe und rief ein geheimes Konklave von Kommandanten zusammen, auf deren Loyalität er vertraute. Und es waren viel mehr gewesen, als er zu hoffen gewagt hätte.

Nachdem Brightland die Stern des Dominus aus dem Trockendock hinausmanövriert hatte, führte er einen gewagten Angriff auf das Oberkommando des Dominion selbst durch und schaltete unzählige Kriegsschiffe aus, bevor er sich schließlich zurückzog.

Weitere Siege folgten. Er gründete eine Exilregierung und plante einen Coup, der das Dominion in die Knie zwingen würde: die Übernahme der Hauptstadt.

Doch bevor es so weit war, befand Aurelius, ein Schützling, dem er vertraut hatte, dass die Treue zum Dominion wichtiger war als jahrzehntelange Freundschaft. Der daraus resultierende Hinterhalt hätte Brightland beinahe Kopf und Kragen gekostet. Er und seine Flotte überstanden das Ganze zwar nahezu intakt, aber in den folgenden Wochen wurden seine Truppen und ihr Ehrgeiz mit zunehmender Brutalität immer weiter dezimiert. Brightland konnte anfangs noch mit seinem Können gegen die unfassbare Übermacht bestehen, aber der Feind hatte die Ressourcen vieler Welten zur Verfügung. Jede Niederlage drohte die zarte Pflanze des Widerstands zu zerstören. Ohne große Hoffnung auf Nachschub zog sich Brightland mit seiner Flotte zurück. Seine einzige Chance bestand darin, jetzt zu überleben, um an einem anderen Tag weiterkämpfen zu können.

Und nun sollte ihm sogar das verweigert werden.

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Teil 3 Alles auf eine Karte

Brightland fixierte grimmig die Schlachtbildschirme, während seine fünf Sekunden verrannen. Schließlich seufzte er: „Also gut, Erlaubnis, an Bord zu kommen, erteilt. Ich übergebe Ihnen mein Schwert.“ Er wendete die Stern des Dominus und nahm Kurs auf das Flaggschiff.

„Sie tun das Richtige, Kommandant“, sagte Aurelius in sein Ohr.

„Das denke ich auch.“ Sprach's und feuerte das gesamte Arsenal des Schiffs auf die Strahl ab.

Serrick unterdrückte Aurelius' Wutschrei mit einem Knopfdruck und tauchte das gewaltige Flaggschiff in violette Geysire. Dann erwiderte Aurelius das Feuer. Die Batterien umfingen Brightlands Schiff mit geisterhaften Zero-G-Flammen. In der Ferne blitzten die Triebwerke der Verbannten der Reihe nach auf, als die Schiffe verschwanden. Vielleicht schaffen wir es doch noch, dachte Serrick, direkt bevor ihn eine weitere Breitseite der Strahl erst gegen eine, dann gegen eine andere Wand schleuderte und ein Metallsplitter von hinten seine Lunge durchbohrte.

Er blinzelte das Blut auf seinen Augen weg und blickte auf den letzten verbliebenen Monitor, der seinen Kollisionskurs anzeigte, und sein Schiff war bereits so nah, dass die großen Geschütztürme der Strahl ihn nicht mehr anvisieren konnten.

Brightland lehnte sich schwer auf seine Konsole und nahm noch einmal Kontakt mit dem Flaggschiff auf. Sein Kopf fühlte sich dumpf und schwer an. Er wollte sagen, dass man nie genau weiß, ob eine Hand wirklich nur verlieren kann, aber es reichte nur noch für: „Es ist ... nicht vorbei ... Aurelius.“

Der Kapitän des Dominion sah ihn gelassen an. „Für dich schon, Verräter.“

Die Schiffe rasten so schnell aufeinander zu, dass sich von beiden Stücke der Hüllenpanzerung lösten. Ganz dumpf hörte Brightland sich selbst den Befehl zum Sprung geben.

Er blinzelte und erkannte plötzlich, dass er auf einer Krankenstation lag und sich ein viel zu junges Mädchen mit Fähnrich-Abzeichen über ihn beugte. „Wo bin ich?“, krächzte er. Er spürte weder Arme noch Beine.

„Bei der Flotte, Sir. Wir sind entkommen. Wir brauchen Befehle.“

„Das Schiff ...“

„Die Dominus wird gerade überholt, Sir. In einer Woche ist sie fertig.“

„Nennt sie ... die Hasardeur“, flüsterte Serrick. Dann umfing ihn die Leere.