Zusammenfassung

Trotz seiner Niederlage auf Gnox florierte das Dominion unter den Mechari und Luminai und breitete sich weiter in der Galaxie aus. Dann auf einmal erreichte sie eine kryptische Übertragung der Eldan: Heute reißen wir die Macht der Götter an uns. Auf die Nachricht folgte eine endlose Stille. Die Anführer des Imperiums nahmen an, dass die Eldan nun den Gottstatus erreicht hatten, was wiederum die Bürger des Dominion zu den wahren Erben ihres göttlichen Vermächtnisses machte. Unter Kaiser Jarec dem Wachsamen oblag es damit dem Reich, diese frohe Kunde zu verbreiten ...

1376 n.E. Der Aufstieg der Eldan

Zusammenfassung Liste
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Teil 1 Augenblick der Wahrheit

Seine sonst strahlenden Bronzeaugen waren von Besorgnis umwölkt, als Jarec, Kaiser des Dominion, hinter dem massiven Pult stand und seine Untertanen betrachtete. Die gesamte Bevölkerung von Meridia hatte sich im für die Jahreszeit untypischen Regenwetter versammelt, drängte sich zusammen und tuschelte erwartungsvoll.

Er hatte ihnen den ganzen Morgen wilde Spekulationen von den Lippen abgelesen, und jede Hypothese war unheilvoller als die vorherige. Sie würden mit Mechari-Schiffen nach Nexus auswandern. Die Königshäuser waren bankrott. Die Welt ging unter. Der Kaiser war ein Hochstapler. Es gab gar keine Eldan. Sein prächtiger Anblick, so dachte er, würde sie alle Lügen strafen.

„Eine Angelegenheit bezüglich der Zukunft unserer glorreichen Verbündeten ist ans Licht gekommen“, begann er ernst, wohl wissend, dass seine Zuhörerschaft den Unterschied zu seinem üblichen jovialen Ton als beunruhigend empfinden würde. „Eine neue Aufgabe, die ich nun das Privileg und die Ehre habe, euch mitzuteilen.“

Auf dem gesamten Platz herrschte völlige Stille.

„Die Eldan, das großartigste Volk, das je unser Universum bereist hat“, fuhr Jarec mit tiefer Stimme fort, „sah in Cassus etwas Besonderes, eine einzigartige Befähigung zu wahrer Größe. Uns allein konnte man die Verantwortung der Herrschaft übergeben. Freut euch, Freunde! Der Tag, auf den wir so lange gewartet haben, steht bevor.“

Ein erneutes Raunen ging durch die Menge, diesmal geprägt von Erleichterung, durchsetzt mit aufgeregter Erwartung. Er spürte bereits, wie der neue Funken Hoffnung die hintersten Ecken des Platzes erreichte. Angesichts des Umstands, dass jahrhundertealte Traditionen umgeschrieben würden, fand Jarec das ermutigend. Er hoffte, es würde ausreichen, während er sich selbst dazu gratulierte, dass er das alles mit seiner perfekten Vorstellung überhaupt ermöglicht hatte.

Wenn die Götter verschwinden und dir die Verantwortung für die Galaxie hinterlassen, heißt es schwimm oder stirb.

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Teil 2 Sprung ins Ungewisse

Vor langer Zeit war Dominus auf Nexus angekommen, um ein Reich zu begründen, und hatte eine Bevölkerung angetroffen, die seine Herrschaft mit Freuden akzeptierte. Trotz zahlreicher jahrelang geprobter Ausweichpläne war es praktisch unnötig gewesen, auf flammende Ansprachen oder Wunder zurückzugreifen. Auch in den kommenden Jahrhunderten mussten seine Nachfolger nur selten korrigierende Maßnahmen ergreifen.

All das hatte sich mit der Nachricht von den Eldan schlagartig geändert. Seit Axis Pheydra denken konnte, war Kommunikation von beiden Seiten aus etwas höchst Ungewöhnliches. Ebenso wie die Cassianer aufgeblüht waren, als sie sich selbst überlassen wurden, hatten die Eldan auch den Mechari freie Hand gelassen, ihre Pläne in der weiten und unberechenbaren Galaxie umzusetzen.

Und genau deswegen empfand Pheydra Inhalt und Ton der Übermittlung ebenso kryptisch wie beunruhigend: Wir haben heute das Unerreichbare erreicht. Bald reißen wir die Macht der Götter an uns.

Seitdem herrschte Stille.

Die Tragweite dieser Nachricht und die Debatte über ihre Konsequenzen, von dem völligen Fehlen von Einzelheiten darüber, was nun zu tun sei, ganz zu schweigen, belegten ab dann die gesamte Rechenleistung des Netzwerks. Nach ausladenden und peniblen Diskussionen kamen die Mechari und Luminai überein, dass die Eldan wohl in den Gottstatus aufgestiegen waren.

Und diese frohe Botschaft mussten sie lediglich verkünden.

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Teil 3 Kardinal der Tugend

Es wurde wärmer. Jarec wusste, als seine Hierophantenscheibe über der Menge schwebte, dass dies hauptsächlich durch die geheimen Wettermanipulationen der Mechari zustande kam. Aber die Sonnen hätten ohnehin geschienen. Alles war in Einklang.

Innig drückte er mit einer Hand das erste Exemplar des Kodex der Wachsamen an seine Brust, während die andere das Goldzepter umklammerte, zu dem seine Krone eingeschmolzen worden war, und wenn unter ihm gejubelt wurde, hob er es zum Gruß kurz hoch.

Selbst in der Erstauflage war der Kodex ein umfangreiches Werk. Er enthielt Texte von Azrion, Koral, Seraphel und anderen geschätzten Kaisern sowie zahlreiche Passagen cassianischer Gelehrter. Der Grundgedanke war jedoch simpel.

„Die Herren der Schöpfung sind aufgestiegen“, tönte Jarecs Stimme aus diskret überall in der Stadt aufgestellten Lautsprechern. „Und bald werden wir, das auserwählte Volk, ihnen folgen.“ Eine Million Kehlen wiederholten seine Worte, und das Echo der Litanei überrollte ihn wie eine Sturmflut.

„Auf Nexus ... der heiligsten aller Welten ... Doch vorher müssen wir beweisen, dass wir der Göttlichkeit würdig sind ... und zwar den weniger Glücklichen ... Und falls sie das aus Ignoranz oder Bösartigkeit nicht anerkennen wollen ... werden wir ihre Zweifel zerstreuen!

Im Himmel explodierte Feuerwerk und formte dabei sein Abbild. Jarec winkte und winkte. Alle knieten nieder, als sein Schatten über sie hinwegglitt.

Genau im richtigen Moment erschienen in Rot und Gold leuchtende, fast blendende Buntglasfronten: Dominus, wie er das Schwert seiner Mutter hochhielt. Der Besuch der Mechari. Jarec selbst mit dem Buch. Ein Energieblitz schoss herab. Ka-BUMM! Ein holografisches Gebäude materialisierte sich und dominierte den Horizont wie ein neu entstandener Berg. Das Inbild aller Kathedralen. Die Menge tobte und jubelte.

Jarec lächelte und die Strahlen des Buntglases erleuchteten sein weiß-goldenes Haar wie vielfarbige Heiligenscheine.

„Lang lebe Kaiser Jarec!“, tönte es vom Himmel. „Jarec der Mächtige ... Jarec der Wachsame!“

Die ungezügelte Begeisterung ließ den Boden erzittern.

JAREC! JAREC! JAREC!

Und während Konfetti auf die Gläubigen regnete und sie schon bald hüfthoch darin standen, begann Jarec zu weinen.